Meine Lehrzeit in Dehli

Dienstag, 15.04.2014

Dehli war der Ausgangspunkt meiner Reise gewesen und zurückblickend wundere ich mich über meine Naivität in diesen ersten Tagen. Zwar hatte ich in meinem Reiseführer gelesen, dass der Connaught Place ein wichtiger Ort für Reiseinformationen ist; Und dass da, wo sich unbedarfte Touristen tummeln, auch ideale Jagdgründe für Schlepper sind, das war ebenfalls im Reiseführer zu lesen. Theoretisch wusste ich schon, was ein Schlepper ist, aber in meiner Welt waren sie bisher nicht vorgekommen.

Es passierte gleich bei meiner ersten Frage nach einer Bank: Ein freundlicher Kerl zeigte sich sehr aufgeschlossen und fragte auch gleich, wo ich herkomme usw. Natürlich würde er mir gerne zeigen, wo eine Bank ist. Aber indische Bankautomaten wollen erst einmal verstanden werden, und als ich unverrichteter Dinge aus der Bank kam, stand er immer noch da und bot mir gleich an, mich auf die nächste Bank zu begleiten. Das fühlte sich schon ein bisschen seltsam an, aber trotzdem, auf zur nächsten Bank. Natürlich erwartete mich der Bursche wieder vor der Bank und fragte freundlich, was ich sonst noch brauche.  Ich suchte freilich nach einem Weg, diese Stadt zu erkunden, ob per Busrundtour oder per Rickschaw, ich war mir nicht sicher und brauchte Hilfe.

Zwei frustrierende Versuche, eine Rundreise im Golden Triangle, diesem Dreieck mit den Städten Dehli, Agra und Jaipur, zu buchen, hatte ich schon hinter mir. Der erste Versuch kann als Muster dienen, wie so etwas funktioniert: Du betrittst ein Reisebüro, wirst mit großem Hallo und evtl. einem Chai  begrüßt und bringst Deine Wünsche vor. Dann kommen eine Reihe von toll klingenden Angeboten und dann geht es zur Sache, zum Preis also: Natürlich könne er mir einen Zug nach Varanasi buchen, ja nur er könne das, weil alle Züge schon besetzt seien, er aber ein privilegierter Reiseagent sei. Wortreich bekomme ich am Bildschirm gezeigt, dass alle Züge auf Wochen ausgebucht sind. An dieser Stelle reicht es mir, ich wähle auf dem Handy die Nummer meiner Reiseagentin, erkläre ihr kurz, wo ich bin und reiche das Handy einfach weiter. Die folgende Szene spricht Bände: Im lebhaften Hindi entstand eine Diskussion während der der sichtlich frustrierte Agend seine Unterlagen zusammenklappte, aufstand und mir schließlich deutlich machte, dass er mit mir nichts mehr zu tun haben wolle.

Dass dieser Schlepper mich dann letztendlich doch an einen Reiseveranstalter „verkaufen“ konnte,  es muss wohl daran gelegen haben, dass ich des Suchens müde war. 

Die Agentur meiner immer ansprechbaren Reiseagentin: Sozialverantwortliche Erlebnisreisen in Indien

Varanasi: Der Ganges, die Toten und die Seide

Freitag, 11.04.2014

Varanasi: Der Ganges, die Toten und die Seide

Auch wenn man tausendmal darüber gelesen hat: In der heiligen Stadt Varanasi am Ufer des Ganges zu stehen und zu den Verbrennungsfeuern hochzuschauen, das ist wie ein Blick in Dantes Hölle.

Ein Taxi hatte mich in die Nähe des Ganges gebracht, von da aus wollte ich auf eigene Faust am Ganges entlang laufen. Aber ich hatte die Rechnung ohne die große Verwandtschaft des Taxifahrers gemacht – wie so oft in Indien. Plötzlich hieß es, ich kann am Ganges nicht parken, deshalb habe ich einen Führer besorgt. Bei so viel „Fürsorge“ war ich erst mal sprachlos und ließ mich auf die Sache ein. Der Bursche war ein gewiefter Selbstvermarkter: er gab nicht nur mit seinen Italien- Spanisch- und Russischkenntnissen an, er vergaß auch nicht, seine Beziehungen zu örtlichen Seitenfabrikanten zu erwähnen. Vom berühmten Cafe Dolphin aus, das wohl in jedem Reiseführer aufgeführt wird, hatte ich tatsächlich einen tollen Blick auf das Gangestal, den ich mir  allerdings viel mächtiger vorgestellt hatte. Aber es war ja Trockenzeit, die Wasserhöhe zur Regenzeit konnte ich jedoch gut an den Häusern ablesen.

So schlecht war es dann doch nicht, den Führer dabei zu haben, denn bei den Verbrennungsplätzen ist es schwer, den angemessenen Abstand zu finden: Wie nah kann ich hin oder ist das pietätlos zuzuschauen, wie gerade eine Leiche aus ihrem Leichentuch gewickelt wird?  300kg Holz für jede Leiche, Stapel von Holz, Holzwaagen, Saddhus vor ihren Feuern, bei den Toten die Verwandten, Sandelholzpulver wird in die Feuer, die nächsten Toten werden herbeigetragen...

Beim Rückweg durch die engen Gassen wurde ich in eine der Seitenfabriken geführt, natürlich die, in der die Frau meines Führers arbeitete. Der Meister persönlich bot mir einen Sitz und Chai an, und er breitete mit geschickten Würfen lauter wunderschöne  Decken vor mir aus. Es war ein ganzer Stapel, bis er verstand, dass ich wirklich nichtskaufen würde. Mein Führer war sichtlich verstimmt.

Gepflegtes Abhängen in Bangalore

Samstag, 05.04.2014

Zugegeben, die Stadt ist einfach zu groß, um sie innerhalb von zwei Wochen kennenzulernen, es sei denn, man will einen Großteil seiner Zeit im Taxi verbringen. Deshalb war mein Bewegungsradius vergleichsweise gering.

Ganz in der Nähe meiner Wohnung gab es das Leela Palace, ein 5-Sterne-Hotel, gebaut in den 90er Jahren ganz im Stil eines Palastes, eine ruhige, grüne Oase inmitten dieser hektischen Stadt. Natürlich sind die Preise auch für indische Verhältnisse gehoben, aber was braucht es mehr für die Zeit von Sonntagnachmittag bis Sonntagabend als einen Cafe und zwei Heineken?

Für den Kaffee wählen wir das Citrus-Cafe innerhalb des Palace, am besten im durch viele Wasserkaskaden gekühlten Außenbereich. Die unterschiedlichen Grüntone verschiedener Palmen, die blühenden Sträucher überall, die Dekoration mit Tausenden von Blumen, das Rauschen des Wassers und der aufmerksame Service, wir sind in einer anderen Welt.

Die tollste Atmosphäre strahlt für mich der Außenbereich der Library-Bar aus: Ich weiß nicht, wie der Palast eines Maharajas aussieht, ob so ähnlich fühlt es sich an. Wenn dann der Abend kommt, geht der Blick hinaus auf den erleuchteten Park, die Feldermäuse und Flughunde, auf der Jagd nach den vom Licht angezogenen Insekten, verstärken das Gefühl, in einer anderen Welt und Zeit gelandet zu sein.

Nur ab und zu stört ein Moskito.

Goa, der Strand und das Weltkulturerbe

Dienstag, 01.04.2014

Wer nach einigen Wochen Indien mal wieder etwas mehr Europa braucht, der kann das in Goa erleben. Für 300 Rupien kann man mit dem Zug recht bequem von Bangalore zum Bahnhof Vasco da Gama reisen, Das Taxi zum Hotel am Strand kostet dafür dann aber gleich mal 1000 Rupien. Vasco da Gama, der Name kündigt schon  ein bisschen an, was den Besucher erwartet:

Strandleben  wie in Europa, Frauen in Bikinis nicht nur am Strand sondern auch in den Läden und in den zahllosen Shacks, die sich kilometerweit an immer wieder neuen Strandabschnitten aneinanderreihen. In so einem Shack vergeht die Zeit auf sehr erholsame Weise beim Betrachten der Wellen, gut versorgt mit tollen Smoothies und preisgünstigen Alkoholika aller Art. Hier gibt es tatsächlich keine Steuer auf Alkohol, einer er vielen Gründe, die Goa zu einem Paradies für Aussteiger und Urlauber – inzwischen viele aus Russland - gemacht haben.

Mit dem gemieteten Roller (250 Rupien/Tag) fahren wir nach Old Goa, der alten Hauptstadt Goas mit drei Kirchen, von denen eine zum Weltkulturerbe gehört:  Natürlich will ich die sterblichen Überreste meines Namenspatrons Franz Xaver besuchen, die in der Basilika BOM Jesus im Sarkophag liegen. Hier erleben wir eine lohnende Führung, die dem Siegel „Weltkulturerbe“ gerecht wird. Beeindruckend gleichermaßen Se Cathedral, die der heiligen Katharina gewidmet und wohl die größte Kirche Asiens ist. Die dritte Kirche, gewidmet Franz von Assisi, ist allerdings von den Jahren und dem feuchten Klima stark gekennzeichnet.

Nach fünf Tagen Goa kennen wir nicht nur alle Strände Im Norden, sondern viele gute Restaurants, die eine internationale Küche anbieten. Fuer gute Reisetipps nach Goa empfehle ich folgenden Link: Tipps fuer Reiseplanung in Goa

Erste Eindrücke: Alte und Neue Welt in Indien

Freitag, 21.03.2014

Den Satz „Die Mischung aus alter Welt und modernem Fortschritt, wie sie jetzt für Indien so bezeichnend ist“ ,  schrieb der Schriftsteller Rudyard Kipling 1901 in seinem Indienbuch „Kim“.  Mir scheint, dieses krasse Nebeneinander besteht mehr als 100 Jahre später immer noch:  Der Fahrradrikschafahrer, der nur ein altes T-Shirt und eine schmutzige Hose am Leib hat, besitzt garantiert ein Handy, mit dem er selbst während des  Fahrens mit seinen Freunden oder wem auch immer telefoniert. Die Kühe, nicht selten schwarzbunte Hochleistungskühe aus Norddeutschland, lassen sich von dem an ihnen vorbeirauschenden Verkehr nicht beeindrucken - dies auf  einer vierspurigen Art Stadtautobahn in Bangalore, der IT-Hochburg Indiens. Und hier, halb vor, halb zwischen Bankgebäuden und  Shops der Edelmarken aus Europa und den USA hat sich eine Familie mit ein paar glänzenden Wellblechtafeln häuslich eingerichtet.

Hilfreich für meine Reise war insbesondere die Seite www.indienheute.de, die nicht nur Reisevorschläge macht, sondern die ganz unterschiedlichen Facetten Indiens skizziert.  

Autofahren in Indien

Samstag, 15.03.2014

Ob Kumily (Bundesstaat Kerala), Delhi oder Bangalore (Bundesstaat Karnataka): Neben einem indischen Atorfahrer sitzend kann man lernen, was fahren mit allen Sinnen bedeutet – oder besser gesagt,  fahren in ungefähr fünf Dimensionen:  Der Fahrer hat  nicht nur den Gegenverkehr im Auge, er muss auch voraussehen, ob der Vordermann abbiegen will oder nicht, gleichzeitig laut ankündigen, dass er auf eine Kreuzung zufährt, eventuelle Fußgänger mit lauter Hupe warnen, die Seitenstraßen rechts und links abscannen, ob jemand einbiegen will und beim Überholen haarscharf kalkulieren, wer wohl das Wettrennen gewinnen wird. Wer auf kurvigen Landstraßen unterwegs ist, kann beim Überholen dieses komplizierte Spiel beobachten: ob Sicht oder nicht, es wird versucht zu überholen und wenn dann die Autos auf gleicher Höhe sind, hat der Überholer gewonnen. Er weiß, der Überholte und der Entgegenkommende werden abbremsen.

Es ist, als ob zwischen all den Teilnehmern in diesem komplexen Spiel eine unsichtbare Kommunikation stattfände. Am besten, die Passagiere machen die Augen zu oder unterhalten sich angeregt. 

Bald geht es los

Mittwoch, 12.03.2014

Dies ist der erste Eintrag in meinem neuen Blog. In Zukunft werde ich hier über meine Erlebnisse im Ausland berichten.

950 km im Zug von Dehli nach Varanasi oder: Indien hautnah!

Freitag, 28.02.2014

Von Dehli nach Varanasi hatte mir meine Reiseagentin einen Platz in einem Zug gebucht. Dass ich einen komfortablen Platz in einem Sleeper-Abteil hatte, stellte ich allerdings erst 4 Stunden nach der Abfahrt fest. Start war morgens um 8 Uhr, und tatsächlich fuhr der Zug auf die Minute genau ab. Ich war schon mal froh, überhaupt im richtigen Zug zu sitzen, deshalb schaute ich mir meine Platznummer gar nicht so genau an und landete so in einem Abteil wahrscheinlich 3. Klasse: Ein Soldat teilte sich mit mir die Bank, auf der anderen Seite eine Familie mit zwei Kindern und einige junge Männer. Wir waren noch nicht losgefahren, schon kamen die Chai- und Erdnussverkäufer und „fliegenden“ Händler mit Gebackenem im Angebot. Eine erste Einführung im Umgang mit Abfall folgte: Die Erdnussschalen wurden einfach auf den Boden gekippt, die Chai-Becher aus dem Fenster geworfen.

Ein einziger Passagier sprach etwas Englisch, mit allen anderen verständigte ich mich mit Gesten und freundlichem Lachen. Ich fragte mich schon, wie ich das 12 Stunden aushalten sollte: Alle Fenster waren offen und die Zugtüren wurden sowieso nicht geschlossen. Also pfiff der kalte Wind durch die Gänge, was aber niemandem etwas auszumachen schien. Endlich erbarmte sich der Schaffner und forderte mich auf, mit ihm zu kommen und meinen reservierten Platz einzunehmen, die Luxusklasse: saubere Bettwäsche mit einer frisch gewaschenen Decke und noch 5 Mitreisenden im Abteil.  Ich richtete mich im zweiten Stock häuslich ein und das Gemurmel der Mitreisenden ließ mich gelassen einschlafen.

Nachdem wir uns ein paar Stunden beobachtet hatten, wurden die ersten Worte gewechselt - hier sprachen alle ein mir verständliches Englisch – und bald waren wir bei Themen, die mich doch etwas überraschten. Einer der Mitreisenden hatte wohl etliche alte Geschichtsbücher zu Deutschland gelesen, meine Versuche, seine hohe Meinung über Friedrich Barbarossa und insbesondere Adolf Hitler zu korrigieren, waren jedoch vergeblich. Die Tatsache, dass das Hakenkreuz in Indien symbolisch so positiv besetzt ist, dürfte wohl einer der Gründe gewesen sein. Einzig bei Otto von  Bismark lag er in etwa richtig, er zitierte z. B.  das berühmte Zitat „Der Lotse geht von Bord“ aus der Zeitung Punch zum Abgang von Bismark.

Inzwischen war es Abend geworden und auch mir klar, dass die Verspätung schon auf mehrere Stunden angewachsen war. Für die Mitreisenden war das kein Anlass zur Sorge, ja sie konnten mir per Smartphone die geschätze und sich ständig in die Nähe von Mitternacht verschiebende Ankuftszeit in Varanasi auf Anfrage mitteilen. Mit einem jungen Hindu, Student der Mathematik, als Wortführer, diskutierten wir über den Hinduismus. Mit Einstein,  Gödel , der Unschärferelation und  der Quantentheorie  als Zeugen erklärte er mir wortreich, wie gut Hinduismus und diese modernen Theorien zusammenpassten. Wieder einmal erinnerte dies mich an einen Satz aus Rudyard Kiplings Buch Kim: “Der Kurator lächelte über die Mischung von Alteweltreligion und modernem Fortschritt, die so typisch für das heutige Indien ist.“ Das war im Jahr 1900!

Vier Stunden waren es am Schluss, Mitternacht also, als wir in Varanasi ankamen.

Webseiten-Tipps für Indienreisende